Hormon übt Schutzeffekt auf Herzkranzgefäße aus
Dass dicke Menschen gefährdet sind einen Herzinfarkt zu erleiden, ist kein Geheimnis – ihre Gefäße verstopfen besonders schnell. Doch das scheint nicht die einzige Erklärung zu sein, wie jetzt Forscher der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg herausfanden.
Sie erforschten den Zusammenhang zwischen dem Hormon Adiponektin und dem Schweregrad der so genannten koronaren Herzkrankheit, bei der die Herzmuskel-Gefäße verkalken. Adiponektin wird in Fettzellen gebildet und reguliert normalerweise zusammen mit weiteren Hormonen wie Leptin und Insulin das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme. Sind die Fettzellen mit Fett gesättigt, wird wenig Adiponektin produziert. Sind sie leer, wird die Produktion gesteigert. Übergewichtige haben also einen niedrigen Adiponektin-Spiegel. Adiponektin schwächt die Wirkung von Insulins ab, so dass der Zucker im Blut nicht abgebaut wird.
Heidelberger Wissenschaftler Dr. Maximilian von Eynatten und Dr. Jochen Schneider werteten Daten von 247 Patienten zwischen 31 und 83 Jahren aus, die sich aufgrund von Herzproblemen einer so genannten Koronarangiographie unterziehen mussten. Bei diesem speziellen Röntgenverfahren, bei dem über einen Herzkatheter Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße injiziert wird, um diese so durch ein Röntgenbild sichtbar zu machen. Das Ergebnis: Der Adiponektinspiegel entsprach jeweils dem Schweregrad der „Verkalkung". "Je weniger Adiponektin, desto stärker die Verkalkung und umso höher das Risiko für einen Herzinfarkt" so von Eynatten. "Wir vermuten deshalb, dass Adiponektin einen Schutzeffekt auf die Herzkranzgefäße ausübt."
Die Bestimmung des Adiponektinspiegels würde allerdings eine Katheterangiographie nicht ersetzen, sondern sichere nur die Entscheidung über die weitere Diagnostik und Behandlung ab, so die Ärzte. Das Hormon soll aber zukünftig als Risikomarker verwendet werden. Möglicherweise kann Adiponektin auch zum Schutz des Herzmuskels eingesetzt werden – indem es beispielsweise als Medikament verabreicht wird. Dieses muss nun in weiterführenden Studien geklärt werden.
Trost für dicke Herz-Patienten: Sie bekommen zwar häufiger einen Herzinfarkt, aber sie haben bessere Überlebenschancen als dünne Patienten. Das fanden Ärzte aus Bad Krozingen und Basel heraus. Sie analysierten die Daten von 1700 ihrer Patienten, die nach einem Herzinfarkt medizinisch behandelt wurden. Ein Drittel der Patienten war normalgewichtig, etwa die Hälfte übergewichtig und 18 Prozent adipös (fettleibig). Nach drei Jahren waren bereits 9,9 Prozent der Normalgewichtigen verstorben, von den fettleibigen Patienten allerdings nur 3,6 Prozent. Die Gründe sind noch relativ unbekannt. Ärzte vermuten, dass das so genannte "Endocannabinoid-System", das das Hungergefühl reguliert und bei Übergewichtigen überaktiv ist, eine schützende Wirkung auf das Herz hat. Genaue Zusammenhänge sind hier aber noch nicht bekannt.