Bewegung als Therapie
Der Gedanke, dass Menschen mit Herzerkrankung möglichst jede Form von Sport scheuen müssten, und den Rest ihrer Tage vorzugsweise im Sitzen verbringen sollten, ist lange überholt.
Körperliche Anstrengung wirkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen, dass konnte sogar wissenschaftlich bestätigt werden: So haben Forscher der Universität London im Jahr 2004 herausgefunden, dass sich Ausdauertraining positiv auf eine Herzschwäche –„Herzinsuffizienz" - auswirkt: 395 Menschen mit diesem Leiden mussten drei bis sieben Mal pro Woche - unter ärztlicher Aufsicht - joggen, schwimmen oder Rad fahren.
Das Ergebnis: die Wahrscheinlichkeit zu sterben sank bei mit Ausdauertraining gegenüber „untrainierten" Patienten um 35 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, wurde um 28 % herabgesetzt. Sport könnte demnächst, genau wie eine medikamentöse Therapie, in individuell angepasster Dosierung ärztlich verschreiben werden, erhoffen sich viele Ärzte. Die körperliche Ertüchtigung soll Gefäße vor einer drohenden Verstopfung schützen. Bisher relativ unbekannt ist allerdings, dass Sport sogar neue Zellen und neue Blutgefäße wachsen lässt - man könnte fast sagen, der Körper legt sich selbst einen Bypass. Denn nach neusten Untersuchungen sollen die alleskönnenden Stammzellen, die aus dem Knochenmark freigesetzt werden, gezielt in nicht mehr durchblutete Winkel des Herzens hineinzuwachsen, um dort völlig neue Blutgefäße zu bilden. Wissenschaftler der Universität Leipzig ließen 16 herzkranke Menschen auf einem Laufrad strampeln, einige von ihnen durften das Training ruhig angehen, andere mussten sich so lange abkämpfen, bis ihnen die Brust schmerzte – eine Folge der Sauerstoffunterversorgung im Herzmuskel. Bereits zwei Tage nach der einmaligen körperlichen Anstrengung stellten die Forscher eine erhöhte Freisetzung von Stammzellen fest – allerdings nur bei den Patienten, die sich während des Trainings soweit anstrengt hatten, dass es zu den Brustschmerzen gekommen war – was die Forscher als den „Kick“ für die Stammzellen deuteten.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2005 konnte die Ergebnisse bestätigen: 18 Raucher, die bereits erste Anzeichen eines Raucherbeins, also eine Einengung der Beingefäße zeigten, mussten einen Monat lang fünfmal pro Woche ein Lauftrainig bis zur Schmerzgrenze – also bis Sie Schmerzen in der Brust verspürten- absolvieren. Die Stammzell-Ausschüttung verfünffachte sich und das kaputte Gefäßsystem fing bereits an, sich an einigen Stellen zu erneuern. Bei Menschen, die unterhalb der Schmerzgrenze trainierten, zeigte sich zunächst keine Veränderung. Allerdings: Nach drei Monaten gab es auch hier ein Anstieg der Stammzellen im Blut. Sport kann also selbst in Maßen genossen, das Voranschreiten einer Herz-Erkrankung bremsen.